Ist Stottern eine normale Phase bei Kindern?

Ist Stottern eine normale Phase bei Kindern?

Ist Stottern eine normale Phase in der Sprachentwicklung?

Kinder am Anfang ihrer Sprachentwicklung stocken und stolpern häufig beim Sprechen: Sie wiederholen Wörter oder Wortteile, weil ihnen das nächste Wort gerade nicht einfällt. Oder sie bemerken selbst einen Fehler und korrigieren sich: „Das ist ein Toko – Koko – Krokodil.“ Viele Eltern fragen sich dann: Stottert mein Kind?

In diesem Artikel erfährst du:

  • wie Stottern bei Kindern klingt 
  • was es mit „entwicklungsbedingtem Stottern“ auf sich hat und
  • wie du Stottern von normalen Sprechunflüssigkeiten unterscheiden kannst

Was ist Stottern und wie klingt Stottern bei Kindern?

Stottern tritt nicht auf, weil der Sprecher unsicher ist oder nach Wörtern sucht. Stottern ist ein kurzer Kontrollverlust beim Sprechen, der völlig ohne Absicht geschieht.

Dieser Kontrollverlust ist wie ein winzig kleiner Kurzschluss. Eigentlich kaum bemerkbar. Aber weil das Sprechen sehr komplex ist und hochautomatisiert abläuft, hat solch ein Kontrollverlust trotzdem hörbare Auswirkungen.

So hört sich Stottern an:

  • Wiederholungen von Lauten und Silben:
    Ich nehme den A-A-A-Apfel.
    Das Kind wiederholt Laute (manchmal Silben) am Wortanfang oder in der Wortmitte.
  • Dehnungen von Lauten:
    Ich will das Vvvvvvanilleeis.
    Das Kind zieht Laute auffällig lang (länger als eine Sekunde).
  • Blockierungen:
    Ich will auch einen K……. Keks.
    Das Kind hat plötzliche, oft spannungsreiche Blockaden vor oder in manchen Wörtern: „Das Wort bleibt stecken“, obwohl das Kind genau weiß, was es sagen will.
Ein Kind hält zwei schwere Steine in seiner Hand.
Stottern fühlt sich für viele Kinder an, als würden sie immer wieder über Steine stolpern. Wichtig ist es deshalb, sich "die Steine" genau anzuschauen und zu überlegen, wie das Kind es schafft, trotz mancher Stolpersteine gut auf seinem Weg voranzukommen.

Gibt es entwicklungsbedingtes Stottern?

Viele Eltern, die sich unsicher sind, ob ihr Kind stottern könnte, bekommen gesagt: „Ach, das ist bloß entwicklungsbedingtes Stottern.“ Ist Stottern tatsächlich eine normale Phase bei Kindern? Eine Phase, die zur Sprachentwicklung dazugehört?

Die aktuelle Forschung ist sehr eindeutig: Echtes Stottern ist keine typische Phase in der Sprachentwicklung. Nur etwa 5% aller Kinder stottern. 

Das heißt auch: 95% aller Kinder stottern nicht. Sie sprechen lediglich (wie alle Menschen) mehr oder weniger flüssig. 

Unflüssiges Sprechen ist normal. Auch wir Erwachsenen sind keine perfekten Sprecher und wiederholen Wörter, machen Gedankenpausen oder verhaspeln uns hin und wieder. Ein Kind, das sich noch mitten in der Sprachentwicklung befindet, kann immer wieder Phasen haben, in denen es besonders unflüssig spricht. Dieses unflüssige Sprechen ist kein Stottern!

Weil der Begriff des Entwicklungsstotterns so missverständlich ist, sprechen die meisten Logopädinnen inzwischen von „entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeiten“ als Unterscheidung zum medizinischen Fachbegriff des Stotterns.

Wie erkenne ich, ob mein Kind stottert oder nur unflüssig spricht?

Auf den ersten Blick können sich unflüssiges Sprechen und Stottern ähnlich anhören, vor allem bei beginnendem Stottern. So lange du merkst, dass das Sprechen deines Kindes locker und ohne Anstrengung bleibt und dein Kind nur ganze Wörter wiederholt, handelt es sich sehr wahrscheinlich um ganz normale Sprechunflüssigkeiten. 

Wenn dein Kind nicht nur Wörter, sondern Laute wiederholt, Laute lang zieht oder vor Wörtern plötzlich anspannt und blockiert, sind dies Hinweise, dass dein Kind stottern könnte.

In der folgenden Tabelle siehst du vier Unterschiede zwischen normalem unflüssigen Sprechen und Anzeichen von Stottern bei Kindern:

Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass mein Kind stottert?

Ob dein Kind „nur“ unflüssig spricht oder stottert – das Wichtigste, was du tun kannst, ist: Deinem Kind Zeit zum Sprechen geben und versuchen, möglichst entspannt zuzuhören. 

Sobald du besorgt über die Sprachentwicklung deines Kindes bist, kannst du logopädische Beratung in Anspruch nehmen. Logopädie wird vom Kinderarzt oder anderen Ärzten/Ärztinnen (Hausarzt, HNO-Arzt, Pädaudiologe, Zahnmedizin) verordnet.

Eine logopädische Diagnostikstunde läuft in den meisten Fällen so ab: 

  • Nach einem Gespräch mit dir wird die Logopädin/der Logopäde mit deinem Kind spielen oder gemeinsam Bilder anschauen und dabei genau hinhören, ob und welche Stottersymptome sie/er hört. 
  • Dabei wird sie vermutlich eine Sprach- oder Videoaufnahme (natürlich nur mit deinem Einverständnis) machen, um später das Sprechen deines Kindes noch genauer auswerten zu können. 
  • Ich bin auch immer sehr froh, wenn Eltern mir Sprachaufnahmen von zu Hause zur Verfügung stellen, weil viele Kinder in der ungewohnten Situation einer Logopädiepraxis anfangs wenig sprechen möchten.

Auch wenn ein beginnendes Stottern festgestellt werden sollte, bedeutet dies nicht, dass immer sofort direkte Therapie mit deinem Kind nötig ist. 

Ihr selbst als Familie könnt entscheiden, ob ihr Unterstützung wollt – je nachdem, wie sehr ihr und euer Kind mit dem Stottern belastet ist.

Wichtig ist, dass du ausführliche Informationen zum Stottern bekommst und weißt, wie du im Alltag mit den Stottersymptomen deines Kindes gut umgehen kannst. 

Hier erfährst du 3 Tipps, wie du mit deinem Kind übers Stottern sprechen kannst (und warum es wichtig ist, Stottern nicht zum Tabuthema werden zu lassen).

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Logopaedin Wiebke Schomaker
Hallo, ich bin Wiebke!

Als Logopädin bin ich Expertin für Sprachentwicklung.

Ich weiß genau, wie frustrierend es für alle sein kann, wenn ein Kind sich mitteilen möchte, aber nicht weiß, wie. Oder wenn ein Kind begeistert erzählt, aber keiner versteht, was es sagt.

Bei mir erfährst du, wie du dein Kind beim Sprechen lernen liebevoll begleiten und spielerisch stärken kannst.

Damit dein Kind aufblüht und sich wirklich verstanden fühlt. 

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