Selbstwertgefühl von Kindern stärken

13 außergewöhnliche Tipps, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken

Wie kann ich das Selbstwertgefühl meines Kindes stärken? Mit dieser Frage habe ich im Oktober 2022 einen Aufruf zu einer Blogparade gestartet. 22 Autor*innen haben in insgesamt 15 Blogartikel (zum Teil in Gemeinschaftsprojekten) beschrieben, wie sie das Gefühl, wertvoll zu sein, bei Kindern stärken – und auch, was sie selbst über das Selbstwertgefühl denken. Ich freue mich riesig, dass dadurch eine großartige und einzigartige Sammlung an Ideen und Tipps zusammengetragen wurde, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken.

Die Ideen sind bunt gemischt und betreffen vom Baby bis zum Schulkind die verschiedensten Altersgruppen. Der große Wunsch aller Autor*innen ist aber derselbe: Alle wollen, dass Kinder sich in dieser Welt wertvoll und willkommen fühlen – einfach, weil sie selbst wertvoll und geliebt sind.

Für diese Zusammenfassung zitiere ich einen Gedanken oder Tipp aus jedem eingereichten Blogartikel. Wenn du mehr von einer bestimmten Autor*in lesen willst, klicke einfach auf den verlinkten Namen.

Inhalt des Artikels:

Jenny Macholdt, Gründerin von Moms 4 Moms, schreibt über die Wirkung von Abendroutinen und schlägt vor: „Wie wäre es, wenn du in dieser Abendroutine einfach noch Punkte einbaust, wo du mit deinem Kind über den Tag bzw. über die positiven Dinge an sich sprichst? Solche Fragen könnten zum Beispiel Folgende sein:

  • Was hat dich heute zum Lächeln gebracht?
  • Wo warst du heute mutig?
  • Was liebst du an dir?

Solche positiven Dinge fördern und stärken nicht nur das Selbstwertgefühl deines Kindes, sondern ich empfinde es als einen wundervollen Abschluss eines Tages.“

Tipp 2: Verzichte auf Lob und Bewertung

Die Heilpädagogin Heike Brandl erklärt die Bedeutung von wertenden Sätzen und schreibt: „Gut gemacht!“, enthält gleichzeitig auch: Es gibt ein „schlecht gemacht“. Damit wird sich dein Kind fragen „War das gut genug, was ich gemacht habe? Bin ich gut genug, um geliebt zu werden?“ Hier geht es nur um das „anderen gefallen“. 

Hilfreicher ist es, dem Kind mit Dank oder beschreibenden Sätzen Wertschätzung zu vermitteln:

  • Du hast dich ganz schön angestrengt!
  • Das war bestimmt eine knifflige Aufgabe.
  • Ich danke dir, dass du den Tisch gedeckt hast.

Tipp 3: Nutze Baby- und Kleinkindgebärden

Ariane Wietschke gibt Kurse für Eltern, die mit ihrem Baby oder Kleinkind auch über Gebärden kommunizieren wollen. Sie beschreibt, wie sehr Baby- und Kleinkindgebärden zum Selbstwertgefühl eines Kindes beitragen können: 

Nimm es von Anfang an so gut wie möglich wahr und verstehe, was in deinem Kind vor sich geht. Du brauchst dazu zunächst Wissen über verschiedene Babysignale und ihre Bedeutung. Durch bewusste Kommunikation, zum Beispiel mit Baby- und Kleinkindgebärden, ermöglichst du deinem Kind weit über seine Grundbedürfnisse hinaus mitzuteilen, was gerade in ihm vorgeht und was es von dir braucht.“

Tipp 4: Mache kreative Schreibspiele mit deinem Kind

Pia Helfferich ist Autorin und Literaturwissenschaftlerin und leitet Schreibworkshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In ihren Kursen beobachtet sie immer wieder, wie das Selbstwertgefühl von Kindern durch das Schreiben gestärkt wird. In ihrem Blogartikel gibt Pia drei Beispiele für einfache Schreibspiele im Grundschulalter, die der ganzen Familie Spaß machen.

Pia erklärt: „Wenn Kinder schreiben, haben sie die Kontrolle über ihre Geschichte. Sie können Charaktere und Welten erschaffen, die nur durch ihre Vorstellungskraft begrenzt sind. Das kann eine großartige Möglichkeit für Kinder sein, sich auszudrücken und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten aufzubauen.“

Tipp 5: Nimm dir Zeit

Susanne Kruse ist Coach für bewusstes Leben, Mentorin & Dozentin. Sie schreibt: „Wenn ich mit Kindern arbeite, dann mache ich vor allem eines: Ich nehme mir Zeit.

Indem ich mir Zeit nehme, schenke ich dem Kind Aufmerksamkeit und damit signalisiere ich dem Unterbewusstsein meines Gegenübers „Du bist es mir wert“. Genau da fängt es an, wenn es um das Thema „sich wert fühlen“ geht.“

Tipp 6: Sieh Kinder durch Gottes Augen an

Heiko Metz ist Autor, Theologe, Chefredakteur der Stiftung Marburger Medien und Papa. Er fragt sich, wie er seine Kinder auf diese sich so schnell verändernde Welt vorbereiten kann und gibt zu: „Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mit Blick auf Fähigkeiten etc. keine wirkliche Ahnung, was ich meinen Kindern beibringen kann, wohin ich sie genau fördern soll o. ä., um sicher zu sein, dass sie das stark und zukunftsfähig macht. 

 „Wie immer, wenn ich so gar nicht weiter weiß, hilft mir ein Blick auf Gott. Gott scheint da weder große Fragen noch Berührungsängste zu haben. Im Gegenteil: Gott traut Kindern Unglaubliches zu und bewirkt mit ihnen Veränderung, bzw. setzt er mit ihnen seinen Willen um. […]

Das bedeutet für mich: Wenn Kinder bei Gott besonders wichtig sind, wenn Gott sie sogar für große, wichtige und schwierige Aufgaben in seinem Reich einsetzt, wenn Jesus die Kinder mindestens in Glaubensfragen sogar zum Vorbild für uns Erwachsene erhebt – dann sind Kinder in Gottes Augen an sich und einfach so schon ziemlich starke Persönlichkeiten!“

Tipp 7: Zeig deinem Kind: "Ich bin ich und du bist du"

Claudia Burger ist Lehrerin, Kinderbuchautorin und Lerncoach. Ihre Tipps helfen nicht nur Kindern zu gestärktem Selbstwertgefühl. 

Sie schreibt: „Willst du unglücklich sein, so vergleiche.“ So ähnlich lautet ein bekanntes Sprichwort. Und es trifft zu. Ich bin ich. Du bist du. […] Wenn ich mich vergleiche, dann mit mir selbst. Meinem Selbst von gestern, dem vor einer Woche, dem vor einem Jahr. Bin ich inzwischen gewachsen? Habe ich etwas gelernt? Habe ich mehr Freude in mein Leben gelassen? Habe ich tolle Erfahrungen gemacht? Habe ich inzwischen wieder ein paar meiner Träume verwirklicht?

Tipp 8: Bastle einen Adventskalender fürs Herz

Antje & schlaubatz vermitteln Kindern mit ihren Produkten, Kindergeschichten und Führungen Wissen rund um die Natur vor der Haustür. Antje erzählt: „Als meine Tochter im letzten November in einer „Durchhänger-Phase“ steckte – wer kennt das nicht – und meinte: „Ich mach alles falsch. Keiner mag mich.“, beschloss ich, ihren Adventskalender nicht nur mit Süßem zu füllen, sondern auch mit Dingen, die sie stärken, die ihr zeigen, was für ein tolles Mädchen sie ist.

Ich bat die Omas sowie Opa und Papa jeweils 3-4 Dinge zu Papier zu bringen, die sie an ihr mögen oder lustige Begebenheiten, Erlebnisse. Ich selbst habe ebenfalls einige Zeilen gefüllt. An jedem Tag ihres Adventskalenders fand sie ein Schriftstück mit einigen Zeilen von einem Menschen, der sie liebt und schätzt. Sie hat sie mit einem Glitzern in den Augen gelesen. Die Vorfreude auf jeden Tag wuchs und die Komplimente sind bis heute ihr Schatz.“

Im Blogartikel gibt Antje kreative Beispiele für die Umsetzung eines Herzens-Adventskalenders.

Tipp 9: Schreibe Karten mit positiven Glaubenssätzen

Sabine Walker ist Lerntherapeutin. In ihrer Arbeit begegnen ihr oft negative Glaubenssätze. Sie schreibt:

Die Kinder, die zur Therapie kommen, sind meist überzeugt davon, dass sie zu dumm, behindert, doof sind, es nie schaffen werden beispielsweise Mathe zu begreifen. Oder Lesen zu lernen. Oder die Rechtschreibung zu beherrschen.

In ihrem Blogartikel beschreibt Sabine, wie sie es schafft, negative Glaubenssätze mit den Kindern aufzuspüren und mit positiven Sätzen zu ersetzen:

„Es entstanden im Laufe der Zeit viele dieser Sätze. Auch solche wie: „Mathe wird zu meinem Freund.“ Diese selbst kreierten Sätze schreiben die Kinder auf diese Kärtchen. […] Oder sie packen es in ihr Mäppchen. Damit sie, wenn sie in der Schule sitzen, immer wieder darauf schauen können und es verinnerlichen können, sich daran festhalten können, wenn sie wieder einmal am Verzweifeln sind, oder traurig darüber, dass es noch nicht so läuft, wie sie es sich wünschen.

Tipp 10: Geh mit deinem Kind auf Stärkensuche

Auch die Lerntherapeutin Barbara Wenning beschreibt den Einfluss von Lernproblemen auf das Selbstwertgefühl. Sie schreibt: „Bei den meisten Kindern in der Lerntherapie ist das Selbstwertgefühl mehr oder weniger angeknackst, weil sie in ihren schwachen Bereichen eben tatsächlich weniger können als die meisten Mitschüler und sie das auf sich als Person zurückführen.“

Barbara erzählt, wie sie mit den Kindern auf Stärkensuche geht: Zu Beginn der Therapie sucht sich jedes Kind ein Din A 4 Blatt in seiner Lieblingsfarbe aus und malt sich selber so groß wie möglich auf das Blatt. […]

Gemeinsam überlegen wir, was das Kind wohl gut kann, die Gliedmaßen helfen dabei. Wenn ihm nichts einfällt, frage ich, was es denn z.B. mit den Beinen kann (schnell rennen, Ski fahren usw.). Diese Fähigkeiten oder auch Hobbys werden zu dem entsprechenden Körperteil geschrieben, in dem Fall zu den Beinen. Wenn mir eine Eigenschaft auffällt, spreche das Kind darauf an, versuche mit dem Kind ein Wort dazu zu finden und es soll überlegen, zu welchen Gliedmaßen es gehört.“

Barbara und Sabine gehören beide zum Lerntherapeuten-Netzwerk von Susanne Seyfried. Das Netzwerk hat auf dem bundesweiten Aktionstag für Legasthenie und Dyskalkulie Ideen zusammengetragen, wie die Stärken von Kindern visualisiert werden können. Die Stärkensuche und die Glaubenssatzkarten sind 2 der insgesamt 11 Ideen, die zusätzlich in einem gemeinsamen Blogartikel zur Visualisierung von Stärken gesammelt wurden.

Tipp 11: Sag deinem Kind: "Du darfst Nein sagen!"

Maria Klitz schreibt auf ihrem Blog „Bedürfnisorientiertes Familienleben“ über die Entwicklung von Kindern, Freizeitgestaltung von Familien und über persönliche Themen. In ihrem Blogartikel zur Blogparade hat sie 9 Sätze für uns, die Eltern in den unterschiedlichsten Situationen zu ihrem Kind sagen können, um das Selbstwertgefühl zu stärken. 

„Du darfst Nein sagen!“ ist einer dieser Selbstwertsätze. Maria schreibt dazu: „Dass dein Kind „Nein!“ sagen darf und dieses auch muss, kannst du ihm nicht oft genug sagen.“

Tipp 12: Sorge für dein eigenes Selbstwertgefühl

Judith Oesterle ist Mama-Coach und Mutter von drei Kindern. Sie stellt neben Tipps für das Selbstwertgefühl der Kinder auch den Eltern ein paar Fragen: „Fühlst du dich wertvoll? Fühlst du dich immer wertvoll? Oder ist dein Wert an Bedingungen geknüpft? Bist du zum Beispiel nur wirklich wertvoll, wenn du bestimmte Dinge gut machst, wenn du etwas leisten kannst?“

Judith beschreibt, welche Auswirkungen ein schwaches Selbstwertgefühl auf unsere Kinder haben kann: „Deine Kinder nehmen ganz genau wahr, wie du dich verhältst, wie du redest, wie du mit dir selbst umgeht. Und dadurch kreieren sie automatisch ihre Wirklichkeit. 

Wenn du zum Beispiel nach der Wahrheit lebst, dass du nur wirklich wertvoll bist, wenn du deine Aufgaben gut erledigst, dann wird das auch die Wahrheit deiner Kinder beeinflussen. Und du wirst ihnen (oft ganz unbewusst, ohne es zu wollen) genau das vermitteln, dass sie wertvoller sind, wenn sie ihre Aufgaben gut erledigen.

Wir leben unsere Wahrheit. Und zwar in aller Regel unbewusst. Und geben sie weiter. Deshalb ermutige ich immer wieder dazu, immer wieder auf sich selbst zu schauen. Auf den eigenen Selbstwert. Und uns darum kümmern unseren eigenen Selbstwert zu stärken.“

In einem zweiten Blogartikel „Selbstwert entdecken“ erzählt Judith, wie eine Frau in einer Coachingstunde den Satz „Ich bin wertvoll. Punkt.“ entdeckt.

Tipp 13: Sag deinem Kind, dass du es liebst

Tamara Bobrowski ist Familienberaterin und Therapeutin für Stressregulation und Trauma. Sie schreibt: “ Dein Kind braucht das Gefühl, dass es wertvoll ist als Mensch. Und es will spüren, dass es ein wertvoller Teil der Familie ist. Nicht weil es dafür etwas tut oder tun muss, sondern einfach weil es existiert.

An der Stelle reicht es nicht, dass du diese Verbundenheit oder Liebe zu deinem Kind spürst – sie muss auch ausgedrückt werden. Das ist deshalb schwierig oder ungewohnt, weil wir nicht gelernt haben, Menschen einfach für ihre bloße Existenz eine Rückmeldung zu geben. Wir haben gelernt, dass wir bewertet werden. Und deshalb nur für gutes Verhalten oder Leistung positive Rückmeldungen bekommen. Und selbst dann ist die positive Rückmeldung oft einfach das fehlen einer negativen Rückmeldung. Es kann sich also anfangs sehr ungewohnt anfühlen.

Als Eltern dürfen wir also lernen unsere liebevollen Gefühle in liebevolle Handlungen und vor allem auch in eine liebevolle, zugewandte Sprache zu übersetzen.“ […] Sag ihm, dass du es liebst. Einfach, weil es da ist. 

Danksagung

Ich bin begeistert und berührt von den vielen unterschiedlichen Gedanken, Ideen und Tipps, die die Autor*innen zu meinem Aufruf zur Blogparade veröffentlicht haben. Ich habe sooo viel gelernt. Ganz herzlichen Dank!

Ihr tragt mit euren veröffentlichten Texten dazu bei, dass Kinder in dieser schwierigen Welt mit dem wichtigen Gefühl aufwachsen können, das ihnen sagt: „Ich bin wertvoll und willkommen. So wie ich bin.“

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Wiebke Schomaker Logopädin

Hallo, hier schreibt Wiebke!

Ich bin Logopädin, Autorin dieses Blogs und Mutter von drei Kindern. Hier findest du Infos zur Sprachentwicklung und Tipps, wie du dein Kind beim Sprechenlernen kompetent und spielerisch begleiten kannst.

Viel Spaß beim Lesen! 🤩

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