Was ist Unterstützte Kommunikation? Talker, Gebärden, Taster, Kommunikationstafeln

Was ist Unterstützte Kommunikation? Gebärden, Talker und Kommunikationstafeln einfach erklärt

Jedes Kind möchte sich mitteilen. Einigen Kindern fehlen aber noch die Worte. Sie zeigen, ziehen an der Hand, werden vielleicht wütend oder ziehen sich zurück, wenn sie nicht verstanden werden. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie noch nicht sprechen können.

In diesen Situationen setzt die Unterstützte Kommunikation (UK) an: Sie hilft Kindern, sich mitzuteilen, auch wenn die gesprochene Sprache noch nicht ausreicht.

Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?

Unterstützte Kommunikation umfasst alle Hilfen, die Kommunikation ermöglichen oder erleichtern, wenn ein Kind (noch) nicht oder nur schwer sprechen kann.

Unterstützte Kommunikation ersetzt die gesprochene Sprache also nicht, sondern unterstützt sie und hilft Kindern, sich mitteilen zu können.

Außerdem wirken die Hilfsmittel sprachfördernd, weil sie Sprache auch visuell sichtbar machen und dadurch eine Brücke zu gesprochener Sprache sein können.

Für wen ist Unterstützte Kommunikation?

Unterstützte Kommunikation kann hilfreich sein für:

  • Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung (Late Talker) und Sprachentwicklungsstörungen
  • Kinder mit komplexen Behinderungen
  • Kinder, die (noch) wenig oder unverständlich sprechen

Manche Kinder nutzen UK nur vorübergehend, andere langfristig.

Auch für die Förderung von Kindern, die Deutsch als zweite Sprache im Kindergarten lernen, kann Unterstützte Kommunikation sehr hilfreich sein, um die Sprache zu fördern und erste Kommunikation zu ermöglichen.

Gebärden: Mit den Händen sprechen lernen

Ein Kind muss nicht sprechen können, um sich mitzuteilen.

Mimik, erste Gesten und Gebärden sind für kleine Kinder eine der ersten Möglichkeiten, aktiv Einfluss auf ihre Umwelt zu nehmen. Sie zeigen zum Beispiel auf den Kühlschrank, heben die Arme, um hochgenommen zu werden, oder winken zum Abschied.

Diese sogenannten körpereigenen Kommunikationsformen gehören zur Grundlage menschlicher Kommunikation und spielen auch in der Unterstützten Kommunikation eine wichtige Rolle.

Besonders Gebärden werden hier gezielt eingesetzt, um die Kommunikation zu stärken.

Welche Vorteile haben Gebärden?

  • Gebärden sind motorisch: Viele Kinder können Gebärden motorisch deutlich früher umsetzen als gesprochene Wörter.
  • Gebärden sind sichtbar: Wenn ein Wort gleichzeitig gehört wird (auditiver Kanal) und mit einer Bewegung begleitet wird (visueller Kanal), kann ein Kind die Bedeutung oft leichter erfassen und abspeichern. Gebärden machen also Sprache sichtbar und unterstützen dadurch das Sprachverständnis und das Lernen neue Wörter.
  • Gebärden sind bildhaft: Sie schaffen eine gemeinsame Verständigungsmöglichkeit zwischen Kindern, pädagogischen Fachkräften und Eltern, selbst wenn noch nicht alle dieselbe Sprache sprechen. Gebärden können auch für Kinder sehr hilfreich sein, die Deutsch als Zweitsprache im Kindergarten kennenlernen.
Gebärde für „Milch“: So können sich auch Kinder mitteilen, die noch nicht sprechen.

Sprachfördertipp: Setze Gebärden immer begleitend zum Sprechen ein, damit dein Kind Wort und Gebärde gleichzeitig hört und sieht. Du sprichst also wie immer mit deinem Kind und zeigst für zentrale Wörter zusätzlich eine Gebärde.

Kommunikationssymbole: Sprache sichtbar machen

Kommunikationssymbole sind einfache visuelle Bilder von Wörtern. Besonders bekannt im deutschsprachigen Raum sind die Kommunikationssymbole METACOM von Annette Kitzinger. Die Grafikdesignerin hat die Symbole ursprünglich für ihre Tochter Meta entwickelt. Inzwischen sind sie in vielen Einrichtungen verbreitet und helfen unter anderem, visuelle Abläufe für Kinder darzustellen.

METACOM-Karten für die Kita (Verlag an der Ruhr)

Auch PCS-Symbole (Picture Communication Symbols) gehören zu den bekannten standardisierten Kommunikationssymbolen.

Eine Kommunikationstafel von Kippinhouse mit PCS-Symbolen für den Themenbereich „Kindergarten“

Welche Vorteile habe Kommunikationssymbole?

  • Mehr Zeit: Symbole sind im Gegensatz zu gesprochener Sprache dauerhaft sichtbar, so dass sie Kindern mehr Zeit geben, Informationen zu verarbeiten und Zusammenhänge zu verstehen.
  • Mehr Informationen: Symbole sind sprachübergreifend. Sie können deshalb auch von Kindern verstanden werden, die noch kein Deutsch sprechen.
  • Mehr Struktur: Viele Kinder profitieren davon, wenn Abläufe visuell dargestellt werden, zum Beispiel Übergänge, Regeln und Routinen. Das gibt Sicherheit im Alltag.
  • Mehr Teilhabe: Auch Kinder, die noch nicht sprechen, können mit Symbolen ihre Bedürfnisse und Gedanken mitteilen, indem sie auf die Symbole zeigen.
Kommunikationsbücher können mit den für das Kind wichtigsten Symbolen gefüllt werden.

Sprachfördertipp: Nicht alle Symbole sind selbsterklärend. Beginne deshalb mit wenigen, eindeutigen Symbolen und zeige darauf, während du sprichst.

Talker und Taster: Mit technischer Unterstützung sprechen

Was ist ein Talker?

Ein Talker ist ein elektronisches Kommunikationshilfsmittel mit Sprachausgabe (ähnlich wie ein Tablet). Er hilft Menschen, sich mitzuteilen, wenn sie nicht oder nur eingeschränkt sprechen können.

Der Talker spricht dabei für das Kind: Das Kind tippt auf ein Symbol und das Gerät gibt die Sprache laut aus.

Der größte Vorteil des Talkers: Das Kind bekommt eine Stimme.

Viele Systeme sind so aufgebaut, dass Kinder Schritt für Schritt lernen können, einzelne Wörter auszuwählen und schließlich ganze Sätze zu bilden. Sie können individuell angepasst werden. Es gibt sehr einfache Talkersysteme und komplexe Sprachcomputer für ältere Kinder und Erwachsene.

Was ist ein Taster?

Ein Taster ist ein großer, leicht auszulösender Schalter. Er kann zum Beispiel genutzt werden, um

  • eine gespeicherte Nachricht abzuspielen
  • Musik zu starten
  • einen Talker zu bedienen
Mit Tastern können Bedürfnisse mitgeteilt werden.

Mit einem Taster kann ein Kind erste Kommunikationserfahrungen sammeln und sich aktiv beteiligen. Zum Beispiel kann ein Kind im Morgenkreis einen Taster nutzen, auf dem die Eltern ein Erlebnis vom Wochenende draufgesprochen haben. Oder der Taster kann während eines Spiels genutzt werden, um sich mitzuteilen: „Ich möchte eine Karte ziehen.“

Sprachfördertipp: Zwei oder mehr Taster können genutzt werden, um Kindern eine Auswahlmöglichkeit zu geben.

Was sind deine Erfahrungen mit Unterstützter Kommunikation? Hast du eine Frage? Ich freue mich sehr über einen Kommentar von dir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wiebke Schomaker Logopädin

Hallo, hier schreibt Wiebke!

Ich bin Logopädin, Autorin und Mutter von drei Kindern. Hier findest du Infos zur Sprachentwicklung und Tipps, wie du dein Kind beim Sprechenlernen kompetent und spielerisch begleiten kannst.

Viel Spaß beim Lesen! 🤩

Nach oben scrollen