Chetismus:
So kannst du das CH-1 mit deinem Kind üben

3 Ideen zum Üben des CH-1 Aussprache

„Is trag mein Kaninsen in die Küse!“

Der CH-Laut ist ziemlich schwierig. Deshalb ersetzen Kleinkinder am Anfang der Sprachentwicklung sehr häufig den Laut CH-1 durch ein S. Aus „ich“ wird dann „is“, aus „Kaninchen“ wird „Kaninsen“ und aus „Küche“ wird „Küse“.

Kind spricht kein CH Chetismus
Dieses Kind ersetzt den Laut CH-1 durch ein S. Diese Lautersetzung wird manchmal auch als Chetismus bezeichnet und gehört zur typischen Sprachentwicklung.

Mit 4 Jahren können schließlich 90% aller Kinder den Laut CH-1 richtig sprechen und verwenden. Manchmal bleibt jedoch die Lautersetzung bestehen.

Ab wann ist logopädische Therapie nötig? Was passiert da? Und was kannst du tun, um mit deinem Kind spielerisch die richtige Aussprache des CH-1 zu üben?

Inhalt des Artikels

1. Grundlagenwissen: Was ist CH-1?

Was ist das CH-1? Unterschied von CH-1 und CH-2
Obwohl es sich beim "ch" im Deutschen um zwei unterschiedliche Laute handelt, werden sie als Buchstaben gleich geschrieben.

2. Was ist Chetismus?

Der Begriff Chetismus wurde früher verwendet, um zu beschreiben, dass ein CH nicht richtig gebildet oder durch einen anderen Laut ersetzt wird. Manchmal findest du „Chetismus“ noch auf ärztlichen Verordnungen für logopädische Therapie oder in älterer Fachliteratur.

Unter Logopäd:innen haben sich inzwischen andere Bezeichnungen durchgesetzt, um genauer zu beschreiben, was bei der Aussprache passiert. So wird eine Lautersetzung des CH-1 durch den stimmlosen Laut S als „Vorverlagerung“ bezeichnet. 

Denn CH-1 und S sind:

  • beides Fließlaute
  • beide ohne Stimmbeteiligung (es sind also eigentlich „Geräusche“, ohne dass die Stimmlippen beteiligt sind)

Der einzige Unterschied: Das S wird weiter vorne im Mund mit der Zungenspitze gebildet, das CH-1 etwas weiter hinter dem S – daher der Begriff „Vorverlagerung“.

3. Mein Kind sagt nicht "Küche", sondern "Küte". Was passiert da?

Die meisten Kleinkinder ersetzen den Laut CH-1 am Anfang der Sprachentwicklung durch ein S. Manche Kinder sind „kreativer“, wie dieses Kind hier:

phonologische Störung Chetismus
"Ich möchte keine Milch. Ich will einen Becher mit echtem Saft!"

Hättest du das Kind verstanden? 

Es ersetzt das CH-1 nicht durch ein S, sondern durch ein T. Diese nicht-typische Lautersetzung kann die Verständlichkeit ziemlich einschränken, obwohl nur ein einziger Laut ersetzt wird.

Das T wird genauso wie das S vorne im Mund gebildet. Aber: Das T ist ein Knalllaut (Plosiv), kein Fließlaut wie das S oder das CH-1. Das heißt also: Das Kind ersetzt hier einen Fließlaut durch einen Knalllaut. 

Diese Lautersetzung ist nicht typisch in der Sprachentwicklung und gehört daher zu den phonologischen Störungen.  Normalerweise ist logopädische Therapie nötig, um diese „Plosivierung“ aufzulösen.

Mehr über die verschiedenen Arten von Aussprachestörungen erfährst du hier.

4. Ab wann ist Logopädie sinnvoll, wenn ein Kind kein CH-1 spricht?

Wenn ein Kind ein CH-1 durch ein S ersetzt, dann ist mit 5 Jahren (vor der Einschulung) ein guter Zeitpunkt für logopädische Therapie. 

Ersetzt ein Kind das CH-1 durch einen anderen Laut als das S (also zum Beispiel wie oben im Bild durch ein T) oder sind weitere Laute betroffen, dann sollte die Sprachtherapie früher (mit 2-4 Jahren) beginnen.

Hier siehst du einen kleinen Ausschnitt aus einer Aussprachetherapie. Mit dem Kind habe ich bereits Lautsymbole erarbeitet: Die lachende Hexe steht für das CH-1, denn das „Hexenkiechern“ soll so wie ein „ch-ch-ch“ klingen ;). Die Schlange steht für das stimmlose S, also ein zischendes „sssssss“.

Inzwischen kann das Kind beiden Laute S und CH-1 einzeln und in Silben gut unterscheiden. Wir üben gerade das Heraushören des richtigen Lautes bei Wörtern als Detektivspiel:

Ausschnitt aus einer logopädischen Therapie: Sieben Gegenstände wurden in einer Räuberhöhe gefunden. Das Kind hat als Detektiv die Aufgabe herauszufinden, wer diese Gegenstände gestohlen hat. Die Schlange oder die Hexe?

 

Das Kind sucht sich einen Gegenstand aus und wir überlegen gemeinsam, welches Geräusch sich im Wort versteckt hat: Das Hexenkiechern oder das Schlangenzischen? 

Taschentücher… Ich spreche das Wort aus und das Kind hört (mit Detektivohren!) ganz genau hin. Rätsel gelöst? Dann legt das Kind den Gegenstand zum passenden Lautsymbol.

Hinter diesem Spiel steckt folgende Idee: Das Kind (bzw. das kindliche Gehirn) soll erfahren, dass es sich bei CH-1 und S um zwei unterschiedliche Laute handelt. Die Aufmerksamkeit wird auf genau diese Laute gelenkt und dem Gehirn des Kindes wird klar: „Ah, ich muss etwas ändern. Es ist anscheinend nicht egal, ob ich ein CH-1 durch ein S ersetze.“

Dieser Therapieschritt ist Teil der Psycholinguistisch orientieren Phonologietherapie P.O.P.T von Annette Fox-Boyer, nach deren Methode ich in meinen Aussprachetherapien arbeite.

5. Was kann ich selbst tun, um mit meinem Kind das CH-1 zu üben?

Hier habe ich drei Spielideen für dich, bei denen dein Kind den Laut CH-1 oft bei dir hört. Die Methode hinter den Spielen nennt sich „Inputspezifizierung“. Du gibst dabei deinem Kind besonders intensiven Input, bei dem es den Laut viel öfter hört als in der Alltagssprache. 

Es geht also nicht darum, dass dein Kind den Laut sprechen übt, sondern um reine Hörwahrnehmung. Diese Methode reicht oft schon aus, um die Ausspracheentwicklung etwas „anzustupsen“.

Voraussetzung ist natürlich, dass dein Kind gut hören kann. Das CH-1 gehört zu den hochfrequenten Zischlauten. Auch ein Schnupfen mit Paukenerguss im Ohr kann das Hören dieser Zischlaute schon ziemlich einschränken.

Spielidee 1: Wilde Tiger
Ihr seid zwei wilde Tiger und schleicht im Zimmer herum. Mache immer mal wieder ein wildes Tierfauchen (ein langgezogenes CH-1). Vielleicht ahmt dein Kind dich nach?
Aber nicht zum Nachsprechen auffordern. Wichtiger als das richtige Sprechen ist, dass dein Kind das CH-1 oft hört.

Spielidee 2: Wer gewinnt?
Bevor ihr UNO oder ein anderes Spiel spielt, behaupte, dass du das Spiel gewinnen wirst:
„Ich gewinne!“
Dein Kind reagiert wahrscheinlich so: „Nein, is!“
Du: „Ich!“
Dein Kind: „Is!“

Auch hier bitte nicht die Aussprache korrigieren. Es geht darum, dass dein Kind die richtige Aussprache bei dir im direkten Vergleich hört.

Spielidee 3: Bastelt ein CH-Memory

Bastelt zusammen ein Memory mit vielen Wörtern, in denen ein „CH-1“ vorkommt. 

Hier habe ich eine Memory-Vorlage für dich mit 12 passenden Bildern.

Einfach zweimal ausdrucken und ausschneiden – und schön könnt ihr losspielen.

Beim Memoryspielen hört dein Kind immer wieder ganz nebenbei von dir die richtige Aussprache.
Auch hier gilt: Nicht direkt korrigieren oder zum Nachsprechen auffordern (denn es kann sein, dass dein Kind die schwierige Bildung des CH-1 einfach noch nicht kann).

Ich wünsche dir und deinem Kind viel Spaß beim Spielen!

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Hallo, ich bin Wiebke!

Als Logopädin bin ich Expertin für Sprachentwicklung.

Ich weiß genau, wie frustrierend es für alle sein kann, wenn ein Kind sich mitteilen möchte, aber nicht weiß, wie. Oder wenn ein Kind begeistert erzählt, aber keiner versteht, was es sagt.

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