Mein Kind spricht Wörter falsch aus! Tipps und Spielideen für Aussprachefehler

Dein Kind spricht noch nicht alle Wörter richtig aus? Das ist am Anfang der Sprachentwicklung völlig normal. Erst nach und nach lernt ein Kind, wie sich die Sprechmuskeln bei jedem Laut bewegen und wo welcher Laut im Gehirn gespeichert wird. Eine große Aufgabe!

Mit diesen drei Spielideen kannst du dein Kind unterstützen, die Unterschiede von Lauten wahrzunehmen. Im Anschluss an die Spielvorschläge beantworte ich noch die häufigsten Fragen zu Aussprachefehlern bei Kindern.

Wichtig bei allen Spielideen ist, dass du keinen Sprechdruck aufbaust. Dein Kind muss bei diesen Spielen die Wörter nicht „richtig“ aussprechen. Sondern die Wahrnehmung für die Aussprache von Wörtern wird gefördert – dadurch kann sich dein Kind dann ganz von selbst oder begleitend zur logopädischen Therapie die richtige Aussprache erarbeiten.

Das steht im Artikel:

1. Spielidee: Erwisch mich!

Dieses Spiel ist ein Macht-Umkehr-Spiel: Dein Kind darf dich bei einem Fehler erwischen. Das macht vielen Kindern Spaß und hilft ihnen zu erkennen, dass Wörter richtig und falsch ausgesprochen werden können. 

Außerdem lernt dein Kind ganz nebenbei, dass jeder Fehler macht (und dass Fehler machen nicht schlimm ist).

  • Karten benennen: Nimm einen Stapel Bildkarten (zum Beispiel aus einem Memoryspiel). Erzähle deinem Kind, dass du wissen willst, wie genau es hören kann und deshalb extra Wörter falsch sprichst. Zieh eine Bildkarte und benenne das Bild richtig („Katze“) oder falsch („Natze“). Dein Kind entscheidet, ob du das Wort richtig oder falsch gesprochen hast.
  • Variante: Du liest ein Buch vor und dein Kind darf mit einer Polizistenkelle „Stopp“ zeigen, sobald es einen Aussprachefehler bei dir bemerkt.

Mein Tipp: Entscheide dich am Anfang für Aussprachefehler, die deutlich zu hören sind (z.B. Schokolade – Pokowade). Erst, wenn du merkst, dass dies deinem Kind leicht fällt und es Spaß am Spiel hat, kannst du leichtere Kontraste einbauen (z.B. Schokolade – Schotolade).

2. Spielidee: Reim-Memory

Eine Voraussetzung, um Laute bewusst wahrnehmen und ändern zu können, ist die sogenannte Phonologische Bewusstheit. Wenn ein Kind phonologisch bewusst denken kann, dann hat es die Fähigkeit, ein Wort zu analysieren, zum Beispiel so: „Katze“ fängt mit dem Laut /k/ an und besteht aus zwei Silben (äußere Form).

Reime trainieren genau dieses Wissen. Denn wenn wir uns ein Reimpaar überlegen, denken wir nicht über die Bedeutung des Wortes, sondern über die äußere Form nach: „Mmmh, was reimt sich auf Katze? Matze, Hatze, Tatze?“

Ein schönes Spiel zum Reimen ist ein Reim-Memory. Du kannst die Bilder selbst malen oder diese Vorlage für ein Reim-Memory von mir ausdrucken.

 

kostenlose Vorlage Reim-Memory Reimmemory
Reim-Memorys machen Spaß und trainieren nebenbei die wichtige Fähigkeit der Phonologischen Bewusstheit.

3. Spielidee: Wörterdetektive

Auch dieses Spiel trainiert die Phonologische Bewusstheit: Sucht euch gemeinsam einen Laut aus, den dein Kind aussprechen kann und der lang dehnbar ist, zum Beispiel M, F oder SCH. 

Nun könnt ihr wie Detektive auf Wörtersuche gehen:

  • Welche Gegenstände findet ihr im Raum, die mit diesem Laut anfangen?
  • Welche Dinge im Wimmelbuch beginnen mit diesem Laut?
  • Welche Tiernamen fallen euch ein?
Manche Kinder sind besonders motiviert, wenn sie mit einer Lupe auf Wörtersuche gehen können.

 

Anlaute hören mit Bilderbüchern.

Buch: Claudia Burger, Eva Gasser: Zottel macht Urlaub.

Meine Tipps für die Wörterdetektive:

  • Sprich den Laut nicht wie einen Buchstaben im Alphabet aus (also nicht „äm“ oder „we“) sondern nur als einzelnen Laut.
  • Manche Laute werden mit mehreren Buchstaben geschrieben, zum Beispiel der Laut SCH. Das Wort „Schuh“ beginnt also mit „sch“ und nicht mit „s“.

Häufige Fragen

Soll ich mein Kind korrigieren, wenn es ein Wort falsch ausspricht?

Besser nicht.

Greife stattdessen das falschgesprochene Wort in deiner Antwort noch einmal auf. Dein Kind hört dann die richtige Aussprache, ohne dass es ständig korrigiert wird (das ist nämlich ziemlich unangenehm und führt eher dazu, dass ein Kind weniger gerne spricht als dass es „besser“ spricht).
Ein paar Beispiele für dieses korrigierende Feedback findest du hier.

Was kann ich tun, wenn mein Kind wütend wird, weil ich es nicht verstehe?

Für die meisten Kinder ist es so frustrierend, nicht verstanden zu werden!

Vielen Kindern hilft es, wenn eine Vertrauensperson Gefühle wie Wut oder Trauer ausspricht: „Echt blöd, dass ich dich nicht verstanden habe, oder? Bist du wütend darüber?“ Das zeigt deinem Kind, dass du zumindest seine Gefühle verstehst – und dass es okay ist, diese Gefühle zu zeigen.

Vielleicht hilft es deinem Kind auch, wenn du das Nicht-Verstehen mit Humor angehst: „Na sowas, ich glaube, heute habe ich Tomaten auf den Ohren. Schau mal nach: Hab ich da eine Tomate?“ 

Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es eine Aussprachestörung hat? Wenn es Laute vertauscht?
Zwei Ideen, wie du deinem Kind helfen kannst, wenn es wütend darüber ist, nicht verstanden zu werden

Ab wann braucht mein Kind logopädische Therapie?

Wenn du den Eindruck hast, dass die Sprachentwicklung deines Kindes verzögert sein könnte, dann sprich‘ am besten mit eurem Kinderarzt/Kinderärztin darüber. Es gibt bei Unklarheiten auch die Möglichkeit, 2- 3 Stunden logopädische Diagnostik zu bekommen, damit dein Kind rechtzeitig die richtige Unterstützung bekommt, falls eine Aussprachestörung hinter den Aussprachefehlern steckt.

Außerdem sollten verschiedene Ursachen ausgeschlossen werden, die eine auffällige Aussprache verursachen können.
Hier erfährst du mehr darüber, welche Ursachen das sein können und wann Kinder welchen Laut normalerweise sprechen können.

Ich wünsche dir und deinem Kind viel Spaß mit den Spielideen!

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Ich bin Wiebke Schomaker. Als Logopädin und Expertin für Sprachförderung habe ich den Elternblog "Starke Sprache" gegründet. Bei mir erfährst du, wie du dein Kind in seiner Sprachentwicklung begleiten und spielerisch unterstützen kannst.
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