Sprachförderung mit Kommunikationstafeln: Kippinhouse im Interview

Interview: Sprachförderung im Kindergarten mit Kommunikationstafeln

Wie kann Sprachförderung im Kindergarten einfacher werden, wirkungsvoll sein und Kinder zum Sprechen motivieren?

Besonders für Kinder mit einem erhöhten Sprachförderbedarf und für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache können visuelle Hilfen eine wertvolle Unterstützung sein.

Weil ich wissen wollte, wie ich visuelle Hilfen ganz praktisch in der Sprachförderung und in der logopädischen Therapie einsetzen kann, habe ich der Sonderschullehrerin Mirijam meine Fragen zur Sprachförderung mit Kommunikationstafeln und zur Familie-Kippin-Box gestellt.

Hallo Mirijam, was sind Kommunikationstafeln?

Kommunikationstafeln helfen Menschen, sich mitzuteilen, wenn das Sprechen schwierig oder nicht möglich ist. Und sie können auch die Sprachförderung unterstützen, denn Kinder können mithilfe der Symbole auf der Tafel nicht nur hören, sondern auch sehen, was ich sage.

Auf der Kommunikationstafel befinden sich Symbole, auf die gezeigt werden kann, um Wünsche, Gedanken oder Bedürfnisse auszudrücken.

Hier siehst du eine Essensunterlage, die als Kommunikationstafel gestaltet wurde. Beim gemeinsamen Essen können sich so auch Kinder mitteilen, die noch nicht sprechen können:

Kostenlose Essensunterlage von Kippinhouse. Den Downloadlink findest du am Ende des Interviews.

Und was ist die Familie-Kippin-Box?

Das Familie-Kippin-Material besteht aus einer großen Box mit Wimmelbildern und passenden Kommunikationstafeln, mit der du spielerisch und effektiv die Sprachentwicklung von Kindern fördern kannst. Die Bilder handeln von der Familie Kippin, die ihren Alltag in verschiedenen Themenfeldern wie Spielplatz, Küche, Wohnzimmer oder Kindergarten erlebt.

Familie Kippin
Das ist Familie Kippin. Mit ihr können Kinder den Alltag erleben und den Wortschatz entdecken.

Gleichzeitig gibt es in der Box ganz viele Aktivitäten, mit denen du auf verschiedenen Leveln die Sprache fördern kannst. Die Familie-Kippin-Box ist also ein Sprachfördertool aus der Lebenswelt der Kinder.

Erfunden wurde das Material in Finnland.

Für welche Kinder ist die Familie-Kippin-Box besonders geeignet?

Die Erfinderinnen von Kippinhouse, Iina und Pauliina, haben mir am Anfang gesagt: „Sobald das Kind keine Karten mehr isst, kann es mitspielen.“ Das heißt also: Die Familie-Kippin-Box ist für Sprachanfänger und auch für Kinder geeignet, die schon weiter in ihrer Sprachentwicklung sind.

Besonders gerne setze ich das Material bei mehrsprachigen Kindern ein, die Deutsch im Kindergarten lernen. Aber eigentlich profitieren alle Kinder von der Förderung mit dem Familie-Kippin-Material.

Die wichtigsten sprachlichen Ziele sind:

  • Erlernen von Wortschatz und Begriffen
  • Erwerb des Kernwortschatzes
  • Satzbildung

Wie genau setzt du Kommunikationstafeln in Kindergärten ein?

Ich nutze die Kommunikationstafeln vor allem zur Sprachförderung in Kleingruppen. Die Kinder in den Gruppen sind meistens ganz unterschiedlich sprachlich entwickelt. Das ist aber kein Problem, denn durch die visuellen Hilfen haben alle Kinder die Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Am Anfang der Sprachfördereinheit bespreche ich mit den Kindern, welches Thema wir haben. Ich sage dann zum Beispiel: „Heute spielen wir Kindergarten!“ Dann zeige ich das Wimmelbild und es entstehen direkt die ersten Gesprächsthemen.

Wimmelbild Kindergarten
Das Wimmelbild „Kindergarten“ zeigt viele unterschiedliche Situationen, über die Kinder sprechen können.

Wenn ich etwas auf dem Bild beschreibe, dann zeige ich die wichtigsten Wörter auf der dazugehörigen Kommunikationstafel dazu. Dadurch können mich auch Kinder mit noch geringem Sprachverständnis versehen und leichter die Bedeutung der Wörter verknüpfen.

In der Box befindet sich unterschiedliches Spielmaterial, mit dem dann der Wortschatz über Spiele vertieft werden kann, zum Beispiel Angeln und Fliegenklatschen.

Allmählich fangen dann auch einige Kinder an, selbst auf der Kommunikationstafel zu zeigen, was sie mitteilen möchten. Auch sprachlich fitte Kinder haben oft Spaß daran, die Wörter auf der Tafel zu zeigen.

Manche Kindergärten haben die Kommunikationstafeln auch an bestimmte Plätze gehängt, zum Beispiel die Spielplatztafel am Übergang vom Gruppenraum zum Spielplatz. So können auch nonverbale Kinder mitteilen, wenn zum Beispiel ein Streit auf dem Spielplatz passiert ist, indem sie auf die Symbole für „Kind“ und „streiten“ zeigen. Oder Kinder können auf der Tafel zeigen, wobei sie Hilfe brauchen.

Kommunikationstafel „Spielplatz“ von Kippinhouse: So können sich Kinder auch ohne Worte mitteilen.

Würdest du sagen, dass die Familie-Kippin-Box auch in der logopädischen Praxis einsetzbar ist?

Ja, wir haben schon einige logopädische Praxen, die uns rückmelden, dass das Material sich auch richtig gut in der Einzeltherapie eignet, weil man sehr flexibel auf die verschiedenen Sprachentwicklungsstörungen der Kinder eingehen kann, zum Beispiel im Wortschatz oder der Grammatik, und die Kinder sich durch die ansprechenden Bilder toll auf die Therapie einlassen.

Die Box lässt sich auch gut mit weiterem Therapiematerial ergänzen. Im Sprachheilkindergarten zum Beispiel kombiniere ich oft spontan Material: Wenn zum Beispiel ein Kind auf dem Wohnzimmer-Themenbild die Spielzeugkiste besonders spannend findet, dann schauen wir, welche Spielzeuge ich in meiner Kiste habe. So können dieInteressen der Kinder gut aufgegriffen und vertieft werden.

Der Vorteil ist einfach, dass man innerhalb von 5 Minuten eine zielgerichtete Sprachförderung oder Sprachtherapie fürs Kind haben kann.

Können auch Eltern die Kommunikationstafeln zu Hause nutzen?

Wir haben kostenlose Kommunikationstafeln für „Tempo, kleine Schnecke“, für „Obstgarten“ und für „Memory“, die sich besonders für Kinder eignen, die noch wenig oder gar nicht sprechen, aber schon gerne Regelspiele spielen. Das nutzen Eltern besonders gerne zu Hause, um wichtige Wörter im Spielverlauf wie „würfeln“, „Karte umdrehen“, „die Spielfigur setzen“ fürs Kind sichtbar werden.

Eine Mama hat uns mal geschrieben, dass ihr Kind noch nicht spricht, aber sie bisher noch keinen Talker haben. Deshalb hat die Mutter mit der Essensunterlage gestartet, die gibt es auch kostenlos bei uns. Die Unterlage hat sie auf A3 ausgedruckt und dann hat ihr Kind ganz entspannt auch am Esstisch mit ihr kommuniziert. Dadurch konnte sie bei der Krankenkasse begründen, warum ein Talker auch gut funktionieren würde.

Auch für das Freispiel haben wir kostenlose Kommunikationstafeln, zum Beispiel fürs Einkaufen oder für den Puppenarzt.

Was ist ein Fehler, den Eltern und Fachkräfte beim Einsatz von Kommunikationstafeln häufiger machen?

Ich erlebe es häufiger, dass Menschen, die noch nicht mit Kommunikationstafeln in Berührung gekommen sind, denken, dass sie auf der Tafel alles zeigen müssen. Das bewirkt, dass sie total überfordert sind und es dann lieber lassen.

Deshalb ist mein Tipp, nicht den Anspruch zu haben, alles perfekt zeigen zu wollen. Wenn wir etwas vergessen, ist das überhaupt nicht schlimm. 

Kann es sein, dass Kommunikationstafeln die Sprachentwicklung verhindern statt fördern?

Alle Kinder wollen reden. So geht es uns ja auch: Wenn wir im Urlaub sind,  dann haben wir vielleicht ein paar Sätze in der anderen Sprache geübt. Aber wenn dann im Restaurant der Kellner kommt, haben wir die Sätze plötzlich vergessen. Dann hilft es sehr, wenn ich auf der Speisekarte auf Bildern zeigen kann, was ich bestellen möchte. 

Das heißt: Kommunikationstafeln ersetzen das Sprechen nicht. Aber sie helfen, dass das Kind weniger Angst vor der Kommunikation hat und sich mitteilen kann, auch wenn es noch nicht spricht.

Kommunikationstafeln nehmen den Druck raus. Und je mehr Kinder sprechen können, desto weniger brauchen sie die Tafeln als Hilfe. 

Was ich auch oft erlebe: Dass Kinder, die schon gut sprechen können, die Tafeln nutzen, um mit Kindern zu kommunizieren, die noch nicht sprechen. Dadurch kann der Alltag im Kindergarten viel inklusiver werden.

Außerdem lernen so alle Kinder, dass Kommunikation noch viel mehr bedeutet als Lautsprache. Das finde ich super wichtig in der heutigen Zeit.

Du hast schon das kostenlose Material von Kippinhouse erwähnt. Mit was würdest du starten?

Da würde ich mich am Interesse des Kindes orientieren. Wenn das Kind zum Beispiel sehr gerne mit Tieren spielt, dann würde ich mit der Kommunikationstafel „Tiere spielen“ beginnen.

Wenn ein Kind gerne Brettspiele spielt, dann sind die Kommunikationstafeln für unsere Spiele ein guter Start.

Ein Spiel, dass bei den meisten Kindern gut ankommt, ist unser Nimmersatt-Spiel. Das ist ein Hund, der mit verschiedenen Bildkarten gefüttert werden kann.

Vielen Dank für das spannende Interview, Mirijam!

Zum Download

Hier kannst du dir das kostenlose Material von Kippinhouse herunterladen:

Links zum Stöbern:

Website www.kippinhouse.de

Instagram @kippinhouse.de

YouTube: kippinhouse_de

zu den kostenlosen Kommunikationstafeln von Kippinhouse

Zum Weiterlesen:

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Wiebke Schomaker Logopädin

Hallo, hier schreibt Wiebke!

Ich bin Logopädin, Autorin und Mutter von drei Kindern. Hier findest du Infos zur Sprachentwicklung und Tipps, wie du dein Kind beim Sprechenlernen kompetent und spielerisch begleiten kannst.

Viel Spaß beim Lesen! 🤩

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